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Bloggers Stimme im Tegernseer Tal
Zweite Stimme im Tegernseer Tal: Peter Posztos Foto: Maria GoblirschMünchen - Im Tegernseer Tal leben rund 20.000 Menschen. Wer dort
erfahren wollte, was im Lokalen abgeht, konnte das bis vor 19
Monaten fast nur in der Tegernseer Zeitung nachlesen –
eine Lokalausgabe des Münchner Merkur. Von Vielfalt in
der lokalen Berichterstattung keine Spur. Mit seinem Lokalblog
TegernseerStimme und einem später
folgenden Printmagazin sorgt Peter Posztos erfolgreich für eine
„zweite Stimme“. Als Gast der Fachgruppe Online berichtete der Blogger
am 1.Februar in der BJV-Geschäftsstelle von seinen
Erfahrungen.
Die Tegernseer Stimme berichtet nur aus dem Tal – alles, was
außerhalb der Region stattfindet, interessiert erst einmal
nicht. Bis zu 2.000 Leser erreicht das Lokalblog inzwischen am
Tag, bei Facebook haben sich 2.400 Fans gefunden.
Über die Kommentarfunktion agiert man mit den Lesern. „Wir
positionieren uns nicht als Alternative zum Merkur, sondern als
zweite Stimme für das Lokale“, stellte der Blogger klar. Das
Experiment, regionale Nachrichten ausschließlich online zu
verbreiten, sei aufgegangen. „Ich bin kein Journalist“, die
Idee der Vermarktung sei von Anfang an für ihn der
entscheidende Punkt gewesen.
Aus Unzufriedenheit mit der lokalen Berichterstattung durch ein
„Monopolblatt“ war die Idee entstanden, „für eine zweite Stimme
zu sorgen“. Ausgebildete Journalisten recherchieren und
schreiben für 40 bis 80 Euro pro Artikel (je nach Länge) – und
fragen im Anschluss an ihre Recherchen auch nach, ob etwa der
örtliche Geschäftsmann nicht eine Anzeige schalten will. Das
Produkt wird per Ipad präsentiert, „eine Sache von zwei
Minuten“.
Die eigentliche Akquise übernimmt dann ein Werbeteam – eine
Konstellation, die durchaus für Diskussion in der Runde sorgte.
„Wir brauchen Anzeigenkunden, aber das hindert uns nicht, etwas
zu schreiben, das einen Geschäftsmann in ein kritisches Licht
stellt“, erklärte Peter Posztos dazu. Die Authentizität stehe
immer an erster Stelle, dafür habe man auch schon Verlust
eines Kunden in Kauf genommen. Langfristig sei geplant den
Journalismus und die Anzeigenakquise zu trennen. Bei
Werbeschaltungen lege man Wert auf langfristige Partnerschaften
mit lokalen Kunden. Für die Leser soll die Werbung einen
Mehrwert bieten.
Das kostenlos im Tegernseer Tal verteilte Printmagazin, mit dem
man alle paar Monate Zielgruppen erreichen wollte, die nicht
online sind, soll nur noch zwei Mal im Jahr erscheinen: „Da
funktionierte der Transfer nicht“, sagt Posztos. Das
Experiment, Vielfalt in der lokalen Berichterstattung durch ein
Blog zu schaffen, ist dennoch geglückt und könnte weitere
Nachahmer finden. Derzeit arbeiten rund zehn Kollegen an dem
Blog mit, zweieinhalb Stellen sind in Vollzeit besetzt;
immerhin 1.800 Artikel haben die Kollegen schon
produziert.
Seine Erfahrungen gibt Posztos weiter. Zusammen mit dem Gründer
des Heddesheimblogs, Hardy Prothmann, gründete
Postzos im Oktober 2011 die Istlokal Medienservice UG, ein
kostenpflichtiges Netzwerk für lokale und regionale
journalistische Angebote.
Maria Goblirsch/Thomas
Mrazek
Weitere Informationen
- Markos-Medienpodcast-197, Björn Czieslik,
03.02.2012: Lokale Nischen im globalen Netz
- ON3/Bayerischer Rundfunk, 08.12.2011: Blogs auf Papier: Der Regional-Express
"Tegernseer Stimme"
- Netzleser.de, Steffen Greschner15.11.2011: Erster Lokalblog knackt 10.000 Euro im Monat

