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Nachrichten

Montag, 14.12.2009

Journalisten und Verlage müssen multimedial arbeiten

München, 14. Dezember 2009. Redaktionen müssen ihre Artikel künftig unbedingt in mehreren Medien verbreiten. Sonst werden die betreffenden Zeitungen und Verlagshäuser vom Markt verschwinden, wie das Beispiel USA zeigt. Dies ist für die journalistischen Praktiker das Fazit der Diskussionen bei der Konferenz "Klassische und neue Medien, Transatlantische Chancen und Herausforderungen", die der Bayerische Journalisten-Verband gemeinsam mit der BLM und dem US-Generalkonsulat in München organisiert hatte. Bei zwei Expertenrunden wurde das Motto "Online first" zur Selbstverständlichkeit erklärt. Allerdings war man sich (fast) darin einig, dass es auch in absehbarer Zukunft die traditionelle Tageszeitung noch geben wird.
von links: Stefan Gehrkke, Oliver Zeisberger, Dr. Wolfgang Stöckel,  Prof. Dr. Ralf Hohlfeld, Jonathan Ebinger Foto Kornelia Doren
von links: Stefan Gehrkke, Oliver Zeisberger, Dr. Wolfgang Stöckel, Prof. Dr. Ralf Hohlfeld, Jonathan Ebinger Foto Kornelia Doren

Medien würden künftig den Menschen ständig begleiten, etwa per iPhone. Ob Zeitung, Radio, Video – journalistische Arbeit sei ständig abrufbar. Gerade dies biete eine Chance für Qualitätsjournalismus, folgerte der Onliner Christian Jakubetz. Denn wenn die Plattform nicht mehr entscheidend sei, über die das Material angeboten wird, so werde umso mehr der Inhalt entscheiden. Die Kernkompetenzen, wie sorgfältige Recherche, blieben auch im Internet die gleichen, so Michael Prätorius von Antenne Bayern. Aber der Konsument sei nicht mehr auf ein starres Programm oder eine gefilterte Auswahl angewiesen. Er könne sich den Content nach dem Motto "best of" gezielt zusammen stellen.

Unerlässlich, da waren sich alle einig, sei der ständige Austausch mit den Mediennutzern. Gerade, wenn man eine viel intensivere Rückkoppelung mit den Kunden habe und auch deren Wissen etwa bei der Recherche mit nutze, sei der gesellschaftliche Auftrag gesichert, so Ulrike Langer, die betonte, seit sie als freie Journalistin hauptsächlich blogge, mache die Abeit viel mehr Spaß, weil sie neue Stilformen nutzen und sich pointierter ausdrücken könne.
Die Bedeutung der Rückkoppelung habe auch die Obama-Administration in den USA erst nach einigen Monaten begriffen, so Jonathan Ebinger von der George Washington University. Das Internet habe zwar im Wahlkampf eine wichtige Rolle gespielt, aber jetzt komme es darauf an, die Menschen nicht nur anzusprechen, sondern mitreden zu lassen. Heute könne man in acht Blogs des Weißen Hauses mitdiskutieren.
Der Vorsitzende der BJV-Fachgruppe Europa, Rainer Reichert, wies in Sachen Qualität darauf hin, dass Studien davon ausgingen, dass etwa zwei Dittel der Bevölkerung auf Unterhaltung in den Medien aus seien und nicht auf Information. Professor Ralf Hohlfeld von der Uni Passau ergänzte, angesichts der Offenheit des Web für alle, könne die Unbedarftheit des Publikums politischen Extremisten Vorteile bringen. Hier sei es Aufgabe der Journalisten, zu werten. Hohlfeld: "Ich kann das ganze nur entspannt betrachten, solange es einen Rest von Qualitätsjournalismus gibt."             
Text: Michael Anger      

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