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Appellierte an die europäische Politik, sich der Bedeutung von Journalismus für die Demokratie doch mal wieder gewahr zu werden: Andrea Roth, links im Bild EJF-Präsident Mogens Blicher Bjerregard
Foto: Rainer Reichert

Fachgruppe Europa

Digitaler Journalismus in Europa

Zweitägiger Workshop der EJF debattierte in Nürnberg über verschiedene Business-Modelle

München, Nürnberg, 22.03.2018

Beim zweitägigen „Digital Journalism And New Business Models“-Workshop der European Federation of Journalists (EFJ) beschäftigten sich in Nürnberg knapp 40 Journalist*innen aus europäischen Ländern vor allem mit den ökonomische Auswirkungen des digitalen Wandels. BJV und DJV fungierten dabei als Gastgeber.

In ihrer Begrüßung sagte die stellvertretende BJV-Vorsitzende Andrea Roth, dass sie es sehr begrüßen würde, wenn europäische Politiker sich damit beschäftigen würden, mit welchen Herausforderungen Journalisten durch die Digitalisierung zu kämpfen haben: „Journalismus ist ein öffentliches Gut und ein Muss für die Gesellschaft – vor allem auch in der Informationsgesellschaft“.

Roth betonte auch, dass der BJV sich bereits seit zehn Jahren für eine bessere Vermittlung von Medienkompetenz einsetze, sie freue sich, dass man mit der EFJ-Direktorin Renate Schröder hier eine starke Mitstreiterin gefunden habe.

Die Großen werden überleben …
Am ersten Tag galt es eine Bestandsaufnahme aus verschiedenen europäischen Ländern zu generieren. In Diskussionsrunden, Workshops und mit Präsentationen tauschten sich die Journalist*innen aus. So präsentierte die ehemalige SZ-Journalistin Dr. Alexandra Borchardt, die jetzt als Director of Strategic Development für das Reuters Institute for the Study of Journalism an der Oxford University arbeitet, neueste Medientrends (Powerpoint-Präsentation in der Dropbox: „Trends in the Media“).

„Die großen Marken werden überleben, aber der Lokaljournalismus wird’s wirklich schwer haben“, prognostizierte Borchardt. Mit auf den Weg gab sie den Teilnehmern den Rat: „Don’t chase every trend“ – „Jagen Sie nicht jedem Trend hinterher“.

Wie bewältigt ein regionales Medienhaus den Wandel? Diese Frage konnte der Chefredakteur des Aschaffenburger Main-Echo, Martin Schwarzkopf, umfassend beantworten. Er schilderte, wie intensiv sein Medium die Online-Kanäle bespielt, wie stark man auf Videos setze. Freilich seien dafür gut qualifizierte Mitarbeiter notwendig, so biete das Medienhaus jede Woche Fortbildungsmöglichkeiten an.

Dieser dynamische Wandel gefalle nicht verständlicherweise nicht allen Mitarbeitern. Damit es im Journalismus gut funktioniert, sei natürlich auch die faire Bezahlung der Mitarbeiter wichtig, hob Schwarzkopf hervor.

Da stecken kluge Köpfe dahinter
In weiteren kurzen Präsentationen debattierten die Journalisten mit Benedicte Autret, Head of News and Partnership der Google News Labs, über die Initiative „Digital News Innovation Fund“.

Die größte Aufmerksamkeit zog indes das Anfang des Jahres online gestartete Schweizer Online-Magazin Republik auf sich. Mitgründerin Nadja Schnetzler erklärte den Journalisten sehr authentisch, wie das Projekt sein überaus erfolgreiches Crowdfunding realisierte. Hier ist es tatsächlich gelungen, kluge Köpfe aus aus Journalismus, Start-ups-, PR und Marketing sowie IT unter einem Dach zu vereinigen.

Ernüchterndes zu Stiftungen
Sehr interessant waren die Recherchen des Würzburger Medienprofessors Lutz Frühbrodt, der zum Thema „Welchen Beitrag können Stiftungen zur Stützung des ökonomisch kriselnden Journalismus leisten?“ refererierte. „In Deutschland fördern derzeit 85 Stiftungen in der einen oder anderen Form Journalismus, meist jedoch mit Journalistenpreisen sowie mit Recherche- und Reisestipendien, deutlich seltener in Gestalt größerer Projekte wie ‚Correctiv‘“, lautete eines der Ergebnisse Frühbrodts.

Ernüchternd ist hingegen die Summe, die von Stiftungen in journalistische Projekte investiert werden: Es sind gerade mal 3,7 Millionen Euro. Weitere Erkenntnisse Frühbrodts finden Sie auf der Website der Hochschule Würzburg-Schweinfurt und ausführlich bei Carta: „Warum Stiftungen den Journalismus stärker fördern sollten“.

Video (3:19 Min., in English by Rainer Reichert)

Medienwandel zum Anfassen: Trimedialität und Weiterbildung
Am zweiten Tag des Workshops besuchten die Teilnehmer*nnen den trimedial arbeitenden Bayerischen Rundfunk in Nürnberg. Bei Studio- und Redaktionsbesuchen stellten die Journalisten den BR-Kolleg*innen viele Fragen zu den Abläufen und Erfahrungen beim trimedialen Arbeiten.

Ebenso großes Interesse gab es für die ARD/ZDF medienakademie, die auf dem gleichen Gelände arbeitet und zusammen mit ihrer Niederlassung in Hannover 2400 Veranstaltungen jährlich anbietet. Prof. Andreas Elter, Fachgebietsleiter Fernsehen und Gestaltung, beschrieb, wie vielfältig sich die Ausbildungsinstitution auf den Medienwandel eingestellt hat.

Zukunft der Journalisten-(Gewerkschaften)
„Wir müssen aufpassen, dass uns die Technik nicht schluckt“, mahnte die Vertreterin einer französischen Journalistengewerkschaft. Ein zyprischer Kollege appellierte, dass sich die Gewerkschaften breiter aufstellen sollten und beispielsweise die Rolle von „Think Tanks“ wahrnehmen sollten. Der Workshop lieferte allein für diese Anregung schon viel. Wie sich die Gewerkschaften noch besser für die Zukunft und die Interessen der Journalist*innen rüsten müssen, darüber wird in einem weiteren Workshop in Lissabon diskutiert werden.

Weitere Informationen
EJF-Präsident Mogens Blicher Bjerregard sprach zum Abschluss von einem „Wonderful spirit and fantastic network“ und lobte DJV/BJV für die Organisation. Auf der Website der EFJ finden Sie weitere Informationen und Impressionen zu diesem gelungenen Workshop. In der nächsten Ausgabe des BJVreport, der Mitte April erscheint, finden Sie ein Interview mit der EFJ-Direktorin Renate Schröder.

tm

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