Die Google-Studie von Dachwitz und Fanta habe ihm die Augen geöffnet, sagte Leon Heyde
Foto: Screenshot Daniel Hinz

BJV-Landesvorstand

„Transparenz mit drei Ausrufezeichen“

Sieger des BJV-Wettbewerbs „Junger Journalismus“ mahnen Medien bei Kooperationen mit Google zur Vorsicht

München, 08.07.2021

„Die erwartete Unabhängigkeit des Journalismus ist ein größeres Problem als die Allgemeinheit denkt“, sagte Leon Heyde, 21, bei einer per Zoom abgehaltenen Preisverleihung des Bayerischen-Journalisten-Verbands (BJV). Zusammen mit Moritz Schloms, 22, erhielt Heyde den erstmals ausgeschriebenen Pressefreiheits-Preis des BJV für Jungen Journalismus.

Gestiftet hatte den mit 1000 Euro dotierten Preis das Versorgungswerk der Presse. Die beiden Studenten von der Hochschule Mittweida hatten sich unter mehr als 20 Einreichungen durchgesetzt. Sie reüssierten mit dem Thema Google und Pressefreiheit.

Den Preis „Junger Journalismus“ im Wettbewerb Pressefreiheit 2021 erhielten Heyde und Schloms für ihr dreiteiliges Dossier „Wir können den moralisch sauberen Tod sterben oder wir machen unser Projekt“. Darin setzten sich die Journalisten intensiv mit der von der Otto-Brenner-Stiftung herausgegebenen Studie „Medienmäzen Google“ der Autoren Ingo Dachwitz und Alexander Fanta. Die im Oktober 2020 veröffentlichte Arbeit setzt sich kritisch mit der Unterstützung von Medienhäusern durch den Suchmaschinenkonzern auseinander.

„Irgendwas läuft da komisch …“
Heyde erklärte: „Bei der Vorrecherche sind wir eher oberflächlich reingegangen, und stellten dann fest: Irgendwie läuft da was komisch ab. Die Studie hat uns die Augen geöffnet.“ Veröffentlicht haben die beiden ihren Text im Online-Magazin der Hochschule Mittweida. „Nicht Google ist das Problem oder 'der Böse', sondern das Problem ist weiter vorgelagert, denn Verlage haben über Jahre Fehler gemacht – diese Lücke nutzen nun andere Player im Markt aus“, sagte Heyde.

Beziehungsstatus: Es ist schwierig
Google Docs, Google Tabellen, Google Drive: Viele Journalist*innen können auf die Werkzeuge des Internetriesen partout nicht verzichten. Google versuche, sich selbst als Betriebssystem für den modernen Journalismus zu etablieren.

Ob da schon eine Schere im Kopf entstehe, fragt Moderatorin Beke Maisch den ehemaligen Chefredakteur des Hochschulmagazins, Schloms: „Es ist nicht so, dass man sich nicht mehr traut, überhaupt über Google zu berichten. Es ist eher die Angst vor der Selbstzensur im Ausmaß und in der Form der Kritik.“ Das ist die individuelle Ebene, aber um die Pressefreiheit insgesamt zu stärken, fordert Schloms: „Wenn Verlage Geld nehmen, muss eins gelten: Transparenz mit drei Ausrufenzeichen und großgeschrieben. Denn wenn man Geld nimmt, muss klar sein, von wem, wieviel, und wofür“.

Sonderpreis unterstreicht Bedeutung der Pressefreiheit
An der Jury des zum siebten Mal ausgeschriebenen Preises zum Tag der Pressefreiheit beteiligten sich die BJV-Funktionäre Andrea Roth, Michael Busch, Anne Weber, Thomas Geiger, und Thomas Mrazek. Preisstifter Armin Hermann vom Versorgungswerk der Presse, dort Leiter des Business Developements, stellte die Relevanz des Sieger-Beitrags hervor. Mit dem Sonderpreis an junge Journalisten, beziehe das von Gewerkschaften getragene Versorgungswerk Stellung: „Das Versorgungswerk sieht die Pressefreiheit als einen sehr, sehr wichtigen Pfeiler der Demokratie“, erklärte Hermann.

Die Millionen aus dem Silicon Valley, die in den Journalismus fließen, seien nicht nur positiv zu betrachten, denn die journalistische Unabhängigkeit sinke durch den wirtschaftlichen Einfluss. Schloms: „Die Pressefreiheit ist nicht in Gefahr. Es sollte aber ein Warnsignal sein. Wenn Verlage einfach Geld annehmen, ohne dabei transparent zu sein, dann ist das kein gutes Zeichen“.

Im Anschluss gab Hermann Tipps zu Versicherungsfragen, besonders für Studierende, Volontär*innen, Berufseinsteiger*nnen und freie Journalist*innen. Seit einem Jahr versichert das Versorgungswerk nun auch Studierende. Hermann nannte Beispiele für die Berufsunfähigkeitsrente. Auch eine Lebensversicherung können Studierende nun beim Versorgungswerk abschließen.

Daniel Hinz

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