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Foto: Grafik: Andreas Jurowski

Fachgruppe Freie Journalisten

Wertschätzung für freie Journalisten gefordert

BJV eröffnete „Jahr der Freien“ mit Pressekonferenz im Münchner Tierpark Hellabrunn

München, 11.03.2016

Die Journalisten sind aufgerufen, in der Gesellschaft eine besonders wichtige Nachricht zu verbreiten: Dass ihre Arbeit für die Gesellschaft und den Erhalt der Demokratie unerlässlich ist. Und die Freiberufler unter ihnen garantieren das Spezialistentum und die Meinungsvielfalt. Dies war die Kernbotschaft bei der Pressekonferenz des BJV zum Auftakt des „Jahres der Freien“ im Münchner Tierpark Hellabrunn.

Spezialisten engagiert
Für besondere Themen auf freie Journalisten zurückzugreifen, sei für die Redaktionen schon immer sinnvoll gewesen, erläuterte BJV-Vorsitzender Michael Busch. Damit habe man Spezialisten engagiert und andere Sichtweisen ins Blatt oder in den Äther gebracht.

Heute werde versucht, die Freiberufler gegen die Festangestellten auszuspielen, etwa durch den Vorwurf an die Redakteure, sei seien nicht flexibel genug. Dahinter stecke oft nur der Versuch, am Journalismus zu sparen, verdeutlichte Busch.

Dumpinghonorare
Vor allem im Tageszeitungsbereich lägen die Honorare für die Freien unter dem Mindestlohn von 8,50 Euro. Obwohl sich Verleger und Berufsverbände in den sogenannten Gemeinsamen Vergütungsregeln auf ein Mindesthonorar von 47 Cent die Zeile geeinigt hätten, werde in der Realität kaum die Hälfte gezahlt.

Ein Verbandsklagerecht, also die Möglichkeit für den BJV, anstelle seines Mitglieds gegen Dumpinghonorare gerichtlich vorzugehen, sei unerlässlich. Denn es drohe die Berufsaufgabe bei vielen Freien.

Da aber die leeren Seiten gefüllt werden müssten, drohe wiederum die Gefahr, dass Redaktionen dann vermehrt auf PR-Texte von Organisationen und Unternehmen zurückgreifen und damit die Qualität sinke. Der Vorsitzende appellierte an Auftraggeber und Verleger: „Missbrauchen Sie nicht die Freien, bringen Sie ihnen Wertschätzung entgegen.“

Weniger Studienanfänger
Um die müsse man sich allerdings Gedanken machen, mahnte Prof. Dr. Thomas Hanitzsch vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität.

Die Zahl der Studienanfänger im journalistischen Bereich sinke signifikant. Seien Journalisten vor Jahrzehnten noch eine Art „Helden“ der Glaubwürdigkeit gewesen, so sei heute bei den Studienanfängern die Zahl der Pessimisten größer als die der Optimisten, was die Berufsaussichten betreffe. Wer heute diesen Beruf ergreifen wolle, dem gehe es offensichtlich mehr um Selbstverwirklichung.

Die Journalisten müssten mehr über sich selbst und die Bedeutung ihrer Branche für die Demokratie berichten. Hanitzsch forderte: „Wir müssen eine Stimmung erzeugen, die zur Erkenntnis führt, dass Journalismus unerlässlich ist.“ Man müsse über das Positive berichten, über die Erfolge, über die ganz verschiedenen Arten des Journalismus, der sich nicht in Politikberichterstattung erschöpfe.

Keine Belege für Vertrauensverlust
Zur aktuellen Diskussion um Begriffe wie „Lügenpresse“ meinte der Medienforscher, es gebe keine empirischen Belege dafür, dass das Vertrauen in den Journalismus gesunken sei. Allerdings würden die, die Medien schon immer „doof“ gefunden hätten, sich heute lautstärker zu Wort melden. Auch hinsichtlich der finanziellen Lage der Freien müsse in der Gesellschaft darüber diskutiert werden, was dieser der Journalismus wert sei.

Freie wollen frei sein
Immerhin hätten 90 Prozent der Journalisten Abitur, 75 Prozent ein abgeschlossenes Studium, erläuterte die freie Journalistin Anne Webert. Freie hätten zudem den Vorteil, dass sie sich mit dem jeweiligen Thema wohl intensiver befassen würden, als die angestellten Kolleginnen und Kollegen.

Denn sie müssten sich nicht nur allgemein einarbeiten, sondern sich so stark dafür engagieren, dass die Redaktionen ihnen das Thema auch abkauften. Vor diesem Hintergrund sei es unverständlich, dass gerade mal acht Prozent der Freien bei Umfragen angäben, sie erhielten ein den Vergütungsregeln entsprechendes Honorar.

Freiheit, Unabhängigkeit und Vielfalt
75 Prozent aller Artikel für Print würden auch online von den Verlagen genutzt, aber nur ein Drittel davon auch ein zweites Mal honoriert. Laut Künstlersozialkasse hätten die Freien ein Jahreseinkommen von durchschnittlich gerade mal 16.000 Euro brutto.

Dennoch möchten die meisten freien Kollegen nicht auf diese Status verzichten, denn „frei bedeutet Freiheit, Unabhängigkeit und Vielfalt“, erläuterte Webert, die sich auch im Vorstand der Fachgruppe Freie Journalisten engagiert. Die Freien belassen es jedoch nicht beim Analysieren der eigenen Situation, sie bieten ein umfangreiches Aktionsprogramm für die freien Journalistinnen und Journalisten im BJV an.

Der Eisbär auf der schmelzenden Scholle
Um der Symbolik willen hatte der BJV das „Jahr der Freien“ in Hellabrunn eröffnet, denn die Freien seien in ihrer Existenz ähnlich bedroht, wie der Eisbär auf der schmelzenden Scholle, legte Michael Busch dar.

Aus dem Vortrag von Tierparkdirektor Rasem Baban konnte man mit ein bisschen Fantasie eine ganze Reihe Parallelen herauslesen. So gibt es auch bei den Tieren eine große Biodiversität oder Vielfalt des Lebens. Heute gibt es bereits mehr hauptberufliche freie Journalisten als angestellte. Vor nur wenigen Jahrzehnten war das umgekehrt.

Und bei den wilden Tieren? Die stellten vor 20.000 Jahren 98 Prozent der Biomasse auf dem Planeten, heute sind es gerade mal zwei Prozent. Schlussfolgerung des Direktors: „Wenn es dem Eisbären schlecht geht, geht es irgendwann auch den Menschen schlecht.“

Michael Anger

Schlagworte:

#JahrderFreien

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