Mitglied werden

Verlag Nürnberger Presse

„Das härteste Jahr, das die Mitarbeitenden der VNP erlebt haben.“

19.12.2025
Bericht von
Benedikt Frank

Bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag erklärten Geschäftsführung und Betriebsrat den geplanten Stellenabbau. Was Betroffene jetzt tun können.

Die schlechte Nachricht erfuhren die Kolleginnen und Kollegen des Verlags Nürnberger Presse (Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung) bereits im August. Bei der letzten Betriebsversammlung des Jahres 2025 stellte man nun weitere Details zum Stellenabbau vor. Die Zwickmühle: Der Verlag soll wirtschaftlich überleben können, die Sparmaßnahmen dürften sich aber auch auf die Qualität des journalistischen Produkts auswirken.

Die VNP-Geschäftsführerin Sigrun Albert sprach vom „härtesten Jahr, das die Mitarbeitenden im VNP erlebt“ hätten. Von den 717 Mitarbeitenden, die der VNP noch im Juni 2025 mit rund 640 Vollzeitstellen-Äquivalente besetzte, sollen bis Ende 2028 nur noch rund 450 Vollzeit-Äquivalente übrigbleiben. 80 dieser Stellen sollen nicht nachbesetzt werden, betroffen sind auch befristete Angestellte. Der Rest, darunter auch knapp 30 Stellen in den Redaktionen und redaktionsnahen Bereichen, soll zunächst durch ein freiwilliges Abfindungsprogramm abgebaut werden. Unter anderem soll das zwölfköpfige Editoren-Team aufgelöst werden. In einer Transferfirma sollen Mitarbeiter:innen bis zu einem Jahr lang beschäftigt und qualifiziert werden. (siehe dazu auch BJVreport 05/25)

Bei der Betriebsversammlung erklärte man nun den Prozess und warb für das Abfindungsprogramm und die Übergangsgesellschaft. Der Betriebsrat habe über Monate in 20 Terminen mit der Geschäftsleitung verhandelt, ließ der Betriebsratsvorsitzende Udo Erhard die Teilnehmer:innen wissen, unter anderem über die Höhe von Abfindungen. Erhard lobte, dass die VNP viel Geld in die Hand nehme und den Personalabbau so sozialverträglich wie möglich gestalte.

Im Zentrum des Abbaus steht die Agentur „von Rundstedt“, mit deren Hilfe das Ausscheiden für die gekündigten Kolleginnen und Kollegen erleichtert werden soll und die möglichst viele der Betroffenen in neue Jobs vermitteln soll. Ein Büro für „Perspektivberatung“ sei dienstags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Bei der bisherigen Terminvergabe habe es krankheitsbedingt Verzögerungen gegeben.

Der Mitarbeiterin der Agentur „von Rundstedt“ Tanja Brück war bei der Versammlung daran gelegen, den VNP-Mitarbeiter:innen die Angst vor dem Eintritt in die Transferfirma zu nehmen: Eine solche sei inzwischen ein marktübliches Instrument, um Entlassenen den Übergang zu erleichtern und stelle daher auch keinen Makel dar, wenn jemand sich anderswo bewerbe. Dazu komme die Zusammenarbeit mit sogenannten Qualifikationsanbietern. Viele Leistungen würden auch denen offenstehen, die sich gegen die Transferfirma entscheiden. Auch, dass Ausscheider:innen anteilig Urlaubsgeld zustehe, war auf der Betriebsversammlung zu erfahren.

Wie aber handelt man als Mitglied der Redaktion in dieser schwierigen Situation am besten? Das ist individuell enorm unterschiedlich: Wie ist man beschäftigt? Wie steht man selbst im Leben? Was erwartet man vom Beruf? Generell ist wichtig: Man sollte sich vor einer Entscheidung gut informieren, nichts überstützen und sich keinesfalls zu einer Unterschrift drängen lassen.

Das Beratungs-Angebot von VNP und „von Rundstedt“ kann man nutzen – und durch andere Informationen ergänzen, die vom Verlag unabhängig sind. Eine rechtliche Einordnung erhalten BJV-Mitglieder durch unsere Rechtsberatung. Falls nötig vertreten die Juristinnen und Juristen des BJV betroffene Mitglieder auch vor Gericht. Das Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen kann ebenfalls helfen, sich über Optionen klar zu werden. Der BJV plant im Januar eine Veranstaltung zum Austausch für die VNP-Redaktionen.

Nicht zuletzt ist in schwierigen Zeiten auch eine gute Vertretung der verbliebenen Kolleginnen und Kollegen im Betrieb wichtig. In Zeiten, in denen auch ein Ausstieg aus dem Tarifvertrag möglich erscheint, müssen die Interessen der Redakteurinnen und Redakteure im Betriebsrat Gewicht haben. Dieser wird im März 2026 gewählt.

Bayern
Arbeitsrecht Landesverband Bayern

Weitere Artikel im BJV-Blog

BJVreport
BJVreport

21.08.2026

Inklusion vor und hinter der Kamera

In der Fernsehredaktion von inclumedia und beim Magazin andererseits arbeiten Journalist*innen mit und ohne Behinderung eng zusammen.

Mehr
BJVreport
BJVreport

20.08.2026

„Eine Redaktion 95,5 Charivari gibt es nicht mehr!“

Rund 20 Mitarbeitenden wurde aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen gekündigt.

Mehr
BJVreport
BJVreport

19.08.2026

„Ich bin Journalistin, Moderatorin und Content Creatorin“

Carlott Bru über Social Media, Journalismus und die Frage, wie beides zusammenpasst

Mehr
Urheberrecht
Urheberrecht

18.08.2026

Fast jedes zweite Foto kommt von einer Agentur

Die Würzburger Main-Post ist Siegerin beim BJV-Check „Fotografen haben Namen“.

Mehr
BJVreport
BJVreport

17.08.2026

Eine Stimme aus der „Blackbox Russland“

Silke Bigalke, SZ-Korrespondentin in Moskau und Bayerns Journalistin des Jahres 2026, über die Arbeit von Journalist:innen in Russland.

Mehr
Kommentar
Kommentar

13.08.2026

Was die KI dem Journalismus übrig lässt

Schweizer Verlage produzieren reine KI-Texte und geben sie als Autorentexte aus, ihre selbst auferlegten KI-Regeln erlauben das. Auch der EU AI-Act erlaubt das Vorgehen. Wann zieht Deutschland nach?

Mehr
BJVreport
BJVreport

05.08.2026

Unterschätzte Gegenrede

Digitale Gewalt, Desinformation und Einschüchterung setzen Journa­list*innen zunehmend unter Druck. Projekte wie der Schutzkodex, der Hasskompass oder BetterPost sollen helfen.

Mehr
Rundfunk
Rundfunk

03.08.2026

Zwischen Erfolgsmodell und Existenznot

Die Fachgruppe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erhält Einblicke ins Funkhaus Nürnberg. Trotz stabiler Hörerschaft bedroht die Werbekrise die Lokalradios.

Mehr
BJVreport
BJVreport

16.07.2026

Zwischen Sparzwang und Aufbruch

Die Mitgliederversammlung des Bayerischen Journalisten-Verbands diskutiert über Defizite, die Zukunft des BJVreport und den Weg der Verbandskommunikation.

Mehr
BR Tarif 2026
BR Tarif 2026

16.07.2026

Tarifergebnis im BR - so sieht die Einigung aus

In der fünften Verhandlungsrunde am 15.07.2026 einigten sich die Verhandlungsdelegationen von unisono, ver.di und BJV mit dem BR auf ein Verhandlungsergebnis

Mehr
80 Jahre BJV
80 Jahre BJV

14.07.2026

Geburtstag mit Botschaft

Seit 80 Jahren erhebt der BJV seine Stimme für Pressefreiheit, faire Arbeitsbedingungen und einen starken Qualitätsjournalismus. Beim Festakt blickte man in die Geschichte und nach vorn.

Mehr
BR Tarif 2026
BR Tarif 2026

09.07.2026

Deutliche Bewegung auf beiden Seiten

Am 09.07.2026 trafen sich die Gewerkschaftsvertreter von BJV, unisono und ver.di zur vierten Verhandlungsrunde mit der Verhandlungsdelegation des Bayerischen Rundfunks.

Mehr
BJVreport
BJVreport

09.07.2026

Ein Koffer voller Bänder und viel Mut

Monica Faber hat mehr als 60 Jahre für Hörfunk, Film und Fernsehen gearbeitet. Mit 99 Jahren ist sie das älteste BJV-Mitglied.

Mehr
80 Jahre BJV
80 Jahre BJV

03.07.2026

Tombola für den guten Zweck

Gäste der BJV-Jubiläumsfeier können tolle Preise gewinnen – und unterstützen dabei das gemeinnützige Bildungs- und Sozialwerk des BJV.

Mehr
CSD München 2026
CSD München 2026

29.06.2026

Für Pressefreiheit, Vielfalt und Demokratie

Der Bayerische Journalisten-Verband nahm bereits zum dritten Mal an der Parade zum Christopher-Street-Day in München teil - der Hitzewelle begegnete man kreativ.

Mehr
BR Tarif 2026
BR Tarif 2026

17.06.2026

Streikaufruf 17.06.2026

Der BJV ruft vom Donnerstag, den 18.06.2026, von 03:30 Uhr bis Freitag, den 19.06.2026, 01:00 Uhr zum Warnstreik beim Bayerischen Rundfunk auf.

Mehr
BJVreport
BJVreport

15.06.2026

„Die Konkurrenz sitzt nicht in Deutschland“

Zu den Kommunalwahlen ging „17:30 Sat.1 Bayern“ fünf Stunden live – Chefredakteur Harry Klein holte sich dafür Unterstützung vom Merkur.

Mehr
BJV-Geschäftsstelle
BJV-Geschäftsstelle

12.06.2026

Erreichbarkeit in der KW 24 und 25

In den beiden Wochen vom 08.06. bis 19.06.2026 ist die Geschäftsstelle des BJV nur eingeschränkt telefonisch erreichbar.

Mehr
BR Tarif 2026
BR Tarif 2026

11.06.2026

Kein Angebot - Wir reagieren

Am 11.06.2026 trafen sich die Gewerkschaftsvertreter von BJV, unisono und ver.di zur dritten Verhandlungsrunde mit der Verhandlungsdelegation des BR. Den Vorsitz hatte die Arbeitgeberseite.

Mehr
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

10.06.2026

Besuch bei Tucher: „Noch nie so schwierig wie jetzt“

Eine Gruppe des BJV schaut bei der Tucher Privatbrauerei hinter die Kulissen.

Mehr