Verlag Nürnberger Presse
„Das härteste Jahr, das die Mitarbeitenden der VNP erlebt haben.“
Bericht von
Benedikt Frank
Bei einer Betriebsversammlung am Donnerstag erklärten Geschäftsführung und Betriebsrat den geplanten Stellenabbau. Was Betroffene jetzt tun können.
Die schlechte Nachricht erfuhren die Kolleginnen und Kollegen des Verlags Nürnberger Presse (Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung) bereits im August. Bei der letzten Betriebsversammlung des Jahres 2025 stellte man nun weitere Details zum Stellenabbau vor. Die Zwickmühle: Der Verlag soll wirtschaftlich überleben können, die Sparmaßnahmen dürften sich aber auch auf die Qualität des journalistischen Produkts auswirken.
Die VNP-Geschäftsführerin Sigrun Albert sprach vom „härtesten Jahr, das die Mitarbeitenden im VNP erlebt“ hätten. Von den 717 Mitarbeitenden, die der VNP noch im Juni 2025 mit rund 640 Vollzeitstellen-Äquivalente besetzte, sollen bis Ende 2028 nur noch rund 450 Vollzeit-Äquivalente übrigbleiben. 80 dieser Stellen sollen nicht nachbesetzt werden, betroffen sind auch befristete Angestellte. Der Rest, darunter auch knapp 30 Stellen in den Redaktionen und redaktionsnahen Bereichen, soll zunächst durch ein freiwilliges Abfindungsprogramm abgebaut werden. Unter anderem soll das zwölfköpfige Editoren-Team aufgelöst werden. In einer Transferfirma sollen Mitarbeiter:innen bis zu einem Jahr lang beschäftigt und qualifiziert werden. (siehe dazu auch BJVreport 05/25)
Bei der Betriebsversammlung erklärte man nun den Prozess und warb für das Abfindungsprogramm und die Übergangsgesellschaft. Der Betriebsrat habe über Monate in 20 Terminen mit der Geschäftsleitung verhandelt, ließ der Betriebsratsvorsitzende Udo Erhard die Teilnehmer:innen wissen, unter anderem über die Höhe von Abfindungen. Erhard lobte, dass die VNP viel Geld in die Hand nehme und den Personalabbau so sozialverträglich wie möglich gestalte.
Im Zentrum des Abbaus steht die Agentur „von Rundstedt“, mit deren Hilfe das Ausscheiden für die gekündigten Kolleginnen und Kollegen erleichtert werden soll und die möglichst viele der Betroffenen in neue Jobs vermitteln soll. Ein Büro für „Perspektivberatung“ sei dienstags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Bei der bisherigen Terminvergabe habe es krankheitsbedingt Verzögerungen gegeben.
Der Mitarbeiterin der Agentur „von Rundstedt“ Tanja Brück war bei der Versammlung daran gelegen, den VNP-Mitarbeiter:innen die Angst vor dem Eintritt in die Transferfirma zu nehmen: Eine solche sei inzwischen ein marktübliches Instrument, um Entlassenen den Übergang zu erleichtern und stelle daher auch keinen Makel dar, wenn jemand sich anderswo bewerbe. Dazu komme die Zusammenarbeit mit sogenannten Qualifikationsanbietern. Viele Leistungen würden auch denen offenstehen, die sich gegen die Transferfirma entscheiden. Auch, dass Ausscheider:innen anteilig Urlaubsgeld zustehe, war auf der Betriebsversammlung zu erfahren.
Wie aber handelt man als Mitglied der Redaktion in dieser schwierigen Situation am besten? Das ist individuell enorm unterschiedlich: Wie ist man beschäftigt? Wie steht man selbst im Leben? Was erwartet man vom Beruf? Generell ist wichtig: Man sollte sich vor einer Entscheidung gut informieren, nichts überstützen und sich keinesfalls zu einer Unterschrift drängen lassen.
Das Beratungs-Angebot von VNP und „von Rundstedt“ kann man nutzen – und durch andere Informationen ergänzen, die vom Verlag unabhängig sind. Eine rechtliche Einordnung erhalten BJV-Mitglieder durch unsere Rechtsberatung. Falls nötig vertreten die Juristinnen und Juristen des BJV betroffene Mitglieder auch vor Gericht. Das Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen kann ebenfalls helfen, sich über Optionen klar zu werden. Der BJV plant im Januar eine Veranstaltung zum Austausch für die VNP-Redaktionen.
Nicht zuletzt ist in schwierigen Zeiten auch eine gute Vertretung der verbliebenen Kolleginnen und Kollegen im Betrieb wichtig. In Zeiten, in denen auch ein Ausstieg aus dem Tarifvertrag möglich erscheint, müssen die Interessen der Redakteurinnen und Redakteure im Betriebsrat Gewicht haben. Dieser wird im März 2026 gewählt.