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Presseclub-Vorsitzender Peter Schmalz begrüßte die Gäste und äußerte sich besorgt über den Zustand der Pressefreiheit (links im Bild BJV-Vorsitzender Michael Busch)
Foto: Sachelle Babbar

BJV-Pressemitteilung

Nachricht von Kurt Eisner auf dem Handy

BJV-Wettbewerb zum Tag der Pressefreiheit: Die Sieger.

München, 04.05.2019

Eine Jury des Bayerischen Journalisten-Verbandes (BJV) hat am Montagabend im Münchner Presseclub das Messenger-Projekt „Ich, Eisner!“ des Bayerischen Rundfunks und der Münchner Hörfunk-Autoren Matthias Leitner, Eva Deinert und Markus Köbnik mit dem ersten Preis des bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerbs zum Tag der Pressefreiheit ausgezeichnet.

Das digitale Storytelling-Projekt von Bayern 2, das von Oktober 2018 bis Ende Februar 2019 lief, macht die packende Geschichte der Revolution in Bayern von 1918 erfahrbar. 100 Jahre nach der Revolution von 1918/19 erzählt „Ich, Eisner!“ die Geschichte des jüdischen Journalisten und Politikers auf innovative Weise nach (br.de/icheisner).

15.000 Nutzer der Messenger-Dienste WhatsApp und Insta bekamen Texte, Bilder, Videos und Sprachnachrichten von Kurt Eisner, dem Anführer der Revolution und ersten bayerischen Ministerpräsidenten, quasi in Echtzeit auf ihr Handy, nur 100 Jahre später. Er kommentierte und reflektierte darin seine damalige Situation und das Zeitgeschehen. Die Follower empfingen nicht nur Kurt Eisners Nachrichten, sondern schrieben auch rege zurück.

„Dieses Projekt überzeugt und begeistert durch das neue Format und die Idee, die Persönlichkeit Kurt Eisners als Streiter für die Pressefreiheit 100 Jahre nach seinem Tod über die Nutzung moderner Medien wieder lebendig werden zu lassen. Eine grandiose Geschichte – volle Punktzahl“, urteilte die Jury. Das Autorenteam erhielt am Montagabend im Münchner Presseclub für sein Projekt ein Preisgeld von 1000 Euro. Die stellvertretende BJV-Vorsitzende Andrea Roth überreichte als Jurymitglied den Preis an Philipp Grammes, Digitalchef von Bayern 2.

Zweiter Platz für WELT-Redakteurin Jennifer Wilton
Der Großvater von WELT-Chefreporterin Jennifer Wilton aus Berlin schrieb einst für die gerade gegründeten Zeitungen der WELT. Jahrzehnte später hätte ihn die Journalistin, die heute ebenfalls für die WELT und WELT AM SONNTAG als Chefreporterin arbeitet, gerne gefragt: Wie geht es weiter mit dem Journalismus? In einem am 23. September 2018 in der WELT AM SONNTAG erschienenen Essay ging sie selbst der Frage nach, wie sich das journalistische Arbeiten und die Pressefreiheit in Deutschland seit der Nachkriegszeit entwickelt haben und welchen Einfluss das Selbstbild von Journalisten darauf hatte und hat.

Für ihre Analyse „Was für ein Journalismus?“ (Online-Version bei WELT.de unter: bjvlink.de/wilton) hat der BJV die Ressortleiterin Investigation und Reportage mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.

„Eine exzellente Analyse, wie beiläufig eingebettet in eine Geschichte und geschrieben mit geschliffener Feder bringt die Autorin dem Leser die Bedeutung der Pressefreiheit näher“, begründete die Jury ihre Entscheidung. Die Redakteurin konnte leider nicht an der Verleihung teilnehmen und sandte eine Videobotschaft an die Besucher*innen im Presseclub.

Dritter Preis geht an Lea Fauth aus Berlin
Den dritten Platz vergab der BJV an dieJournalistin Lea Fauth aus Berlin für ihren am 21. April 2019 bei Übermedien veröffentlichten Kommentar „Pressefreiheit als zweifelhafte Hitparade“ (bjvlink.de/fauth). Darin kritisiert die freie Journalisten unter anderem die „Rangliste der Pressefreiheit“, die die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen einmal im Jahr veröffentlicht.

Über dieses Ranking könnten Medien berichten wie über die Tabelle der Bundesliga: „Wer liegt vorn, wer hat seine Position verteidigt, wer ist Absteiger des Jahres?“. Pressefreiheit wird so scheinbar zu einem relativen Wert. Nicht allgemeine Kriterien machen ein Land zu einem, in dem die Medien wirklich frei sind, sondern der Vergleich mit anderen Ländern, in denen die Lage noch schlimmer ist, kritisiert die Journalistin.

„Lea Fauth übt mit ihrem Kommentar sachliche und konstruktive Kritik auf der Metaebene aus; sie wagt es eine allseits geschätzte Institution zu kritisieren“, lobte die Jury. Harald Stocker, Vorsitzender der BJV-Fachgruppe Rundfunk, überreichte den Preis an Fauth, die Kollegin bat darum nicht fotografiert zu werden.

Lobende Erwähnung für Allgäu rechtsaußen
Eine lobende Erwähnung sprachen die Juroren schließlich für Sebastian Lipp und seine Mitstreiter aus, die auf dem Portal Allgäu rechtsaußen (allgaeu-rechtsaussen.de) seit 2017 akribisch rechte Aktivitäten in dieser Region recherchieren und dokumentieren. Jetzt veröffentlichten die Journalisten eine weitere gedruckte Broschüre zu diesem Thema – die 100-seitige, per Crowdfunding finanzierte, Publikation: „Voice of Anger und der rechte Untergrund im Allgäu“.

„Ausschließen, verklagen, einschüchtern“ so reagieren die Rechten – darunter auch die AfD – auf die Arbeit von Allgäu rechtsaußen. Auch dies wird dokumentiert.

„Die Journalisten lassen sich dadurch nicht beeinträchtigen – sie leisten eine mutige Arbeit für die Demokratie – sie leben Pressefreiheit“, urteilte die Jury. Stellvertretend für seine Redaktion nahm Chefredakteur Sebastian Lipp die Urkunde für sein Medium entgegen. Thomas Mrazek, Vorsitzender der BJV-Fachgruppe Online, überreichte Lipp die Urkunde.

Unbezahlbare Freiheit
Der BJV-Vorsitzende Michael Busch betonte anlässlich der Preisverleihung die hohe Qualität der Wettbewerbs-Beiträge in diesem Jahr. „Dieser Wettbewerb setzt mit den ausgezeichneten Arbeiten ein Zeichen für die Pressefreiheit. Eine Freiheit, die wahrlich unbezahlbar ist“. Der BJV wolle mit dem zum fünften Mal ausgeschriebenen Preis (die Preisträger der Vorjahre finden Sie auf der Seite unten) das Thema der Pressefreiheit an die Öffentlichkeit bringen, und sie für dieses wichtige Grundrecht sensibilisieren.

Jury
In der Jury wirkten mit: BJV-Vorsitzender Michael Busch, die stellvertretende BJV-Vorsitzende Andrea Roth, der Vorsitzende der Fachgruppe Online, Thomas Mrazek und Harald Stocker, Vorsitzender der Fachgruppe Rundfunk.

Diskussionsrunde zum Whistleblowing
Die Preisverleihung fand am 6. Mai 2019 vor der BJV-Veranstaltung zum Tag der Pressefreiheit „Whistleblowing – wer andere verpfeift, ist dran“ statt. Einen Bericht von Michaela Schneider zu dieser Diskussionsrunde finden Sie auf der BJV-Website: Vom Risiko des Verpfeifens.

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