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Flüchtlinge in den Medien
Foto: 
Eberhard Wolf

Ausgabe 6 / 2015

Grenzen – für Flüchtlinge und Journalisten

Die Berichterstattung zum Thema Flüchtlinge  ist von unzähligen Bildern, aber auch Emotionen geprägt. So ergab eine Umfrage des Instituts Al- lensbach im Oktober, dass nur knapp ein Drittel der Bevölkerung die Berichterstattung der Medien als ausgewogen betrachte, 47 Prozent jedoch als einseitig. Von denjenigen, die sich große Sorgen über die Entwicklung machen, bewerteten sogar 55 Prozent die Berichterstattung als einseitig. Wir haben KollegInnen verschiedener Medien in Bayern und Österreich gebeten, zu erläutern, wie sie mit dem Thema umgehen.       

Ich gehe davon aus, dass die Pressefreiheit dafür da ist, um sich für die Grundrechte einzusetzen", sagt Heribert Prantl, Mitglieder der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. „Und die Grundrechte sind für die am wichtigsten, die in dieser Gesellschaft am schwächsten sind - am schwächsten sind derzeit die Flüchtlinge". Daraus resultiere für ihn eine Grundhaltung: „Sich mit Empathie diesem Thema anzunehmen." Das löse freilich nicht all die offenen Fragen, denn es handele sich bei diesem Thema um eine existenzielle Frage, es sei ein „Jahrhundert-Thema", das alle Energie von Politik und Gesellschaft verlange.

Anwaltlicher Journalismus

Prantl betrachtet das Flüchtlingsthema als eines seiner journalistischen Lebensthemen, denen er sich bereits seit knapp 30 Jahren widmet. Der Chefredakteur der österreichischen Die Presse, Rainer Nowak, diagnostizierte im November einen „zunehmenden anwaltlichen Journalismus" beim Thema Migration. Bei der Flüchtlingsund Terrorismusberichtserstattung gehe es vor allem darum, „einen kühlen Kopf, Zurückhaltung und ganz wenig Emotionen" zu zeigen. „Emotion heißt für mich nicht, dass ich brauseköpfig schreibe", sagt Prantl, „und andere Aspekte dabei nicht sehe. Emotion ist nicht Gefühl - Emotion heißt für mich Eintreten für die Schwachen, insofern ist anwaltschaftlicher Journalismus genau richtig. Jeder Journalismus ist anwaltlicher Journalismus - nämlich anwaltlicher Journalismus für Grundrechte, und wer das nicht akzeptiert, soll Maurer werden!" Natürlich müsse man Probleme mit kühlem Kopf angehen, ein Journalismus, der nur auf Emotionen baue, sei kein Journalismus auf den man langfristig setzen könne. „Mit Tränen in den Augen kann man keinen guten Journalismus machen", kritisiert Prantl die Flüchtlings-Kampagne der Bild im Herbst. Das Springer-Blatt hatte Mitte September eine mehrwöchige Kampagne „Wir helfen - #re-fugeeswelcome" gestartet. Chefredakteur Kai Diekmann verkündete in einem Meeda-Interview lautstark, dass seine Zeitung ein „Bollwerk gegen den Hass" sei. Mitte Oktober schlagzeilte die Bild dann wieder von „Flüchtlingswellen" und übte sich in Alarmismus „Slowenien wird überrannt!"

 

... weiterlesen im BJVreport 6/2015, Seite 18

von Thomas Mrazek

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